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Hannover, im Januar 2006
160 Jahre LBN

Außerordentlicher Anlass, außergewöhnliches Unternehmen

Laut Creditreform sind lediglich 1,4 Prozent der deutschen Firmen älter als 100 Jahre. Das Durchschnittsalter liegt nach Schätzungen bei 18 Jahren. Darum ist es interessant, wie es einem Unternehmen wie der LBN gelingen konnte, über 160 Jahre zu bestehen.

Es begann im Jahr 1845. In Hannover regiert seit acht Jahren König Ernst August das Königreich. Lehrer galten damals nicht viel. Ausgedienten, im Krieg verwundeten Soldaten im Unteroffiziersrang, wurden oftmals Lehrerposten angedient. Sie bekamen ein Haus, in dem sich auch die Schule befand, etwas Land, um Gemüse anzubauen und einige Nutztiere zu halten. Die Vergütung war sehr gering.

Wenn ein Brand im oft strohgedeckten Holz- oder Fachwerkhaus ausbrach, was damals wesentlich öfter als heute vorkam, verlor der Lehrer sein gesamtes Hab und Gut. Man benötigte eine Einrichtung, die den Ersatz des verbrannten Mobiliars finanzierte, die die übliche „Brand-Bettelei” bei den Mitbürgern überflüssig machte. Zwar gab es schon Versicherungsgesellschaften, doch deren Beiträge waren angesichts der schmalen Gehälter einfach zu hoch.

Die Schul-Dienstaufsicht hatte die geistliche Obrigkeit. Kein Wunder also, dass die Anregung zur Gründung einer Selbsthilfeeinrichtung von einem Pastor kam. Zwei Lehrer - Konrektor Tölke und Kantor Pook, beide wohnten südlich von Hannover - stellten 1844 beim "Königlichen Ministerium des Innern" den Antrag, gemäß der vorgelegten Statuten die Gründung des Lehrer=Brandversicherungs=Vereins zu genehmigen. Am 23.04.1845 fand die erste Generalversammlung des Vereins in Elze statt. Innerhalb kürzester Zeit traten dreihundert Lehrer dem neuen Verein bei.

Das Vereinsgebiet - anfangs nur die beiden Fürstentümer Calenberg und Hildesheim, seit 1851 das ganze Königreich Hannover - teilte man in sogenannte Inspektorate ein. Der Inspektor war für seine Mitglieder verantwortlich und hatte folgende Aufgaben: Das Inkasso der Beiträge, die Entgegennahme von Schadenanzeigen, wobei er die Mitglieder immer selber aufsuchte, die Weiterleitung von Informationen an die Mitglieder sowie die Teilnahme an der Generalversammlung. Das Inkasso erfolgte nachträglich im Umlageverfahren. Musste man keine oder nur wenige Schäden regulieren, wurden auch keine Beiträge erhoben. Freijahre kamen häufig vor, z.B. zwischen 1884 und 1894 gab es neun beitragsfreie Jahre.

Der Verein erfüllte auch soziale Ansprüche, z.B. brauchten Lehrerwitwen keine Beiträge mehr zu leisten. Bis zu einer bestimmten Versicherungssumme genossen sie kostenlosen Versicherungsschutz. In sehr schwerwiegenden Notlagen gewährte die Kasse sogar finanzielle Unterstützung. Bereits 50 Jahre nach der Gründung hatte der Verein 6.000 Mitglieder. Heute zählt die LBN mehr als 24.000 Mitglieder. Zur Jahrhundertwende hatte der Verein 145 Inspektorate, heute sind es 57 Bezirke mit durchschnittlich über 400 Mitgliedern; die Aufgaben der heutigen Obleute (der früheren Inspektoren) sind bis auf das Inkasso der Beiträge nahezu gleich geblieben.

Anfangs hatte der Verein keine eigene Rechtspersönlichkeit. Das änderte sich 1902 mit dem Inkrafttreten des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG). Heute ist die LBN ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, unterliegt den Kapitalbestimmungen des VAG und der Aufsicht des BAFIN in Bonn.

Seinerzeit begann man mit der Feuerversicherung für den Hausrat, 1932 kam die Einbruch-Diebstahlversicherung hinzu. Heute ist die LBN ein modernes Versicherungsunternehmen, das die Hausrat- und die Glasversicherung sowie Versicherungsschutz für "weitere Elementarschäden" und für Unfälle anbietet. In den Veröffentlichungen der Stiftung Warentest (FINANZtest) erhält die LBN immer gute und sehr gute Bewertungen, z.B. in der jüngsten Veröffentlichung 9/05.

Der Lehrer=Brandversicherungs=Verein bewahrt seit 160 Jahren seine Grundideen und arbeitet nach den Prinzipien einer Selbsthilfeeinrichtung. Erzielte Überschüsse fließen an die Mitglieder zurück. Erweitert hat sich allerdings der Personenkreis der Mitglieder. Anfangs nur auf Niedersachsen beschränkt, bietet die LBN heute Versicherungsschutz in ganz Deutschland an.

Der Vereinsgedanke ist nach wie vor lebendig, was sich auch im kundennahen, unbürokratischen Service ausdrückt. Die Kapitalausstattung ist solide, die Geschäftslage ist gut. Jedes Jahr kommen viele neue Mitglieder hinzu. Sicher eine gute Basis für viele weitere erfolgreiche Vereinsjahre.

Ekkehard Taudien
Stephanie Scheppmann
LBN
Groß-Buchholzer Kirchweg 49
30655 Hannover
Tel. (05 11) 54 48 88 - 0
Fax (05 11) 54 48 88 - 22
















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